Rote Mäntel und graue Haare im Gesicht

Für meine heutige Geschichte muss ich ein wenig ausholen, nämlich gut eine Woche. Da wurde ich plötzlich von Isa und Jon ganz alleine in einen Pferdeanhänger verfrachtet und weggefahren. Wir haben einen tollen Spaziergang gemacht. Ein klitzeklein wenig war ich schon nervös, so ganz alleine. Aber nur ganz wenig. Nach dieser Tour sind wir wieder zu den anderen Pferden zurück und als erste musste ich doch Mira, meine grosse Schwester, begrüssen.

Dann, einige Tage später, kam Jon plötzlich mit so einem komischen roten Umhang zu mir. Naja, da hat er sich wohl einen modischen Fauxpas geleistet- oder soll das etwa in sein? Ich schämte mich schon ein bisschen, als er mit mir spazieren ging. Und dazu hatte er noch so eine nervende Glocke dabei. Aber natürlich liess ich mir nichts anmerken.

Heute durfte ich wieder in den Anhänger einsteigen. Das machte mir nun gar nichts mehr aus, ich bin’s mir schliesslich gewohnt! Jon fuhr länger mit mir als beim letzten Mal. Zwischendurch musste er anhalten und meinen Ausweis zeigen, das war wohl der Zoll. Ach so, wir fuhren wieder in die Schweiz! Hmmm, dort hatte es mir letzten Sommer so gut gefallen, deshalb freute ich mich auch jetzt.

Auf einem Bauernhof hielten wir an und ich durfte aussteigen und ein wenig fressen. Ein Kollege von Jon kam zu mir und begrüsste mich wie einen alten Kumpel. Plötzlich – oh, wie peinlich! – zog er den roten Umhang an und Jon einen braunen. Beide montierten sich graue Haare im Gesicht und zogen eine Kapuze an. Ach, du meine Güte… Wiederum liess ich mir nichts anmerken. Ich bin schliesslich Fridolin, der Coole! Wahrscheinlich muss das einfach so sein…

Ich bekam den Packsattel auf den Rücken und musste einen schweren Sack tragen.

Endlich marschierten wir los durch den Wald. Es ging in flottem Tempo den Hügel hoch. Die beiden Männer mit ihren roten und braunen Umhängen schwitzten. Ha, denen zeige ich es! Ich legte noch ein wenig an Tempo zu.

Irgendwann hörten wir aus dem Wald Kindergeschrei: „Samichlaus!“  Es ging nicht lange und eine Schar Kinder rannte auf mich zu. Ui, da musste ich dann doch ein wenig erschrecken. Aber nur ganz wenig…

Moment… Da war eine ganz bekannte Stimme! Das war doch meine Besitzerin Isa! Ich freute mich total, sie da inmitten der herumrennenden Kinder zu sehen. Sie hatte auch sofort einen Apfel für mich parat. Den hatte ich auch verdient!

Die Kinder wollten alle zu mir hin und mich streicheln – und ich, ich wollte nur schnell weg! Ich eilte den Weg runter und Isa sagte glücklicherweise etwas zu den Kindern sodass sie nicht direkt an meinem Hintern klebten.

An einer Lichtung hielten wir alle an und Jon (der im braunen Umhang- wenn der Rote  „Samichlaus“ ist, muss der Braune wohl „Schmutzli“ sein) befreite mich vom Packsattel. Der rote Mann redete lange mit den Kindern, die plötzlich ganz ruhig waren. Währenddem durfte ich an einem Baum angebunden warten. Als es keine Äste mehr zum Fressen hatte wurde es mir schon ein wenig langweilig und ich musste zwei oder dreimal reklamieren. Da lachten mich die Kinder aus. Oder lachten sie mich an?

Die Kinder und Isa und die zwei verkleideten Männer assen und tranken noch etwas. Dann bekam ich – endlich – ein paar Pfefferminzleckerlies von den Kindern. Ich gab mir alle Mühe und nahm sie ganz lieb aus der Hand. Ich blieb auch ganz nett, als die Kinder mir tschüss sagen wollten. Einige kraulten mich sogar am Hals und am Bauch, was ich sonst eigentlich nicht so mag. Die Kinder waren aber gar nicht so übel, sie waren sogar richtig nett!

Isa ging dann mit den Kindern weg – hoffentlich seh ich sie wieder (ich meine die Isa!). Die beiden Männer spazierten wieder los mit mir. Hach, jetzt war es wieder viel ruhiger…Die beiden Männer lachten und freuten sich und ich verstand immer wieder meinen Namen. Ich hatte die Sache wohl gut gemacht!

Wir kamen wieder zum Anhänger und bevor wir losfuhren durfte ich noch ein wenig grasen. Die beiden Männer zogen ihre Umhänge wieder aus und der, der den roten getragen hatte, knuddelte mich noch einmal ganz fest. Dann sagte er mir tschüss und fuhr davon. Das war ein ganz netter Herr gewesen! Aber Jon mag ich doch noch ein wenig besser, das muss schon gesagt sein.  Er fuhr mit mir wieder eine Weile herum und als er anhielt und ich aussteigen durfte, war ich wieder daheim. Mira konnte ich grad noch knapp begrüssen, dann musste ich mich wälzen.

Das war ein ganz toller Tag heute! Hoffentlich darf ich so etwas wieder einmal machen!

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